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Lachyoga (Hasya Yoga)

Erwachsene stehen im Kreis und lachen auf Kommando, ohne dass irgendetwas witzig wäre. Es sieht albern aus und ist eines der besser untersuchten Verfahren dieser Rubrik. Die Zahlen sind eindrucksvoll, und genau deshalb lohnt der zweite Blick.

Veröffentlicht am Redaktion Resilienzkurse.de

Gruppe von acht Erwachsenen steht in einem hellen Raum mit erhobenen Armen und lacht gemeinsam
Die Gruppe ist kein Beiwerk: Das erzwungene Lachen wird in ihr zuverlässig zu echtem. Bild: KI generiert.

Auf einen Blick

Lachyoga hat ein Imageproblem, das mit der Beleglage wenig zu tun hat. Es sieht albern aus, und deshalb wird selten geprüft, was dazu vorliegt. Vorliegen tut mehr als bei manchem Verfahren, das seriöser wirkt.

  • Gelacht wird ohne Anlass, in der Gruppe, im Wechsel mit Klatschrhythmen und Atemübungen.
  • Zehn randomisierte Studien mit 814 Teilnehmenden zeigen weniger Niedergeschlagenheit und Ängstlichkeit sowie besseren Schlaf.
  • Bei älteren Menschen liegt die Effektstärke auf Niedergeschlagenheit bei 0,66.
  • Im direkten Vergleich mit einem Gruppen-Sportprogramm war Lachyoga gleichwertig, nicht überlegen.
  • Die Teilnahmequote ist außergewöhnlich hoch, in einer Studie fast 93 Prozent.

Was Lachyoga ist

Eine Sitzung dauert etwa 30 bis 45 Minuten und folgt einem festen Ablauf. Es beginnt mit rhythmischem Klatschen und einem gemeinsamen Ho-ho-ha-ha-ha, dann folgen Atemübungen aus dem Yoga, dann spielerische Lachübungen mit festen Namen, zum Schluss eine Ruhephase im Liegen.

Entwickelt wurde die Methode 1995 von einem indischen Arzt, der mit einer Handvoll Menschen in einem Park anfing, sich Witze zu erzählen. Als die Witze ausgingen, blieb die Beobachtung, dass auch das bloße Lachen ohne Anlass funktionierte. Daraus entstanden die Lachclubs, die es inzwischen in vielen Ländern gibt.

Der Ablauf einer Sitzung
  1. Schritt 1

    Klatschen und Rhythmus

    Rhythmisches Klatschen mit gemeinsamen Silben, dazu Bewegung im Raum.

  2. Schritt 2

    Atemübungen

    Tiefe Atemzüge mit verlängerter Ausatmung, aus dem Yoga übernommen.

  3. Schritt 3

    Lachübungen

    Kurze Spielübungen, bei denen auf Kommando gelacht wird, mit Blickkontakt in der Gruppe.

  4. Schritt 4

    Lachmeditation und Ruhe

    Freies Lachen ohne Vorgabe, danach einige Minuten still im Liegen.

Der Wechsel zwischen Bewegung, Atmung und Lachen ist wesentlich. Ununterbrochenes Lachen wäre nach fünf Minuten anstrengend statt erholsam.

Das Prinzip dahinter

Die verbreitete Begründung lautet, der Körper könne echtes und gespieltes Lachen nicht unterscheiden. Das ist so pauschal nicht richtig: Im Gehirn sind echtes und gespieltes Lachen durchaus unterscheidbar, und auch Zuhörende erkennen den Unterschied meist.

Zutreffend ist die schwächere Version dieser Aussage. Die körperliche Seite ist bei beiden gleich: kräftige Zwerchfellbewegung, stoßweise Ausatmung, Anspannung der Bauchmuskulatur, höhere Herzfrequenz während des Lachens und Entspannung danach. Wer eine Viertelstunde kräftig lacht, hat eine körperliche Anstrengung hinter sich, unabhängig davon, ob es lustig war.

Der eigentliche Wirkfaktor ist die Gruppe

Das Entscheidende passiert meist nach ein bis zwei Minuten: Das gespielte Lachen kippt in echtes, weil Lachen ansteckend ist und die Situation von außen betrachtet tatsächlich komisch. Damit ist der zweite Wirkfaktor benannt, und es ist derselbe wie bei jedem Gruppenangebot: gemeinsames Tun, Blickkontakt, geteilte Albernheit. Genau deshalb funktioniert die Übung allein zu Hause deutlich schlechter.

Was die Studien zeigen

814

Teilnehmende in der Metaanalyse zu Erwachsenen

Zhao et al. 2019

984

Teilnehmende in der Auswertung zu älteren Menschen

Zhou et al. 2025

0,66

Effektstärke auf Niedergeschlagenheit bei älteren Menschen

93 %

Teilnahmequote im zwölfwöchigen Programm

Hirosaki et al. 2023

Die Metaanalyse von 2019 fasst zehn randomisierte Studien mit 814 Erwachsenen zusammen und findet deutliche Verringerungen von Niedergeschlagenheit und Ängstlichkeit sowie eine bessere Schlafqualität. Die Untergruppenanalyse ergab, dass längere Programme bei Niedergeschlagenheit stärker wirkten.

Effektstärken aus den Auswertungen

Einsamkeit bei älteren Menschen

1,52

Sehr großer Effekt, allerdings mit einem breiten Vertrauensbereich.

Belastungserleben bei Krebserkrankten

1,18

Zusätzlich zur üblichen Pflege, verglichen mit üblicher Pflege allein.

Niedergeschlagenheit bei Krebserkrankten

1,05

Acht Studien, 543 Teilnehmende.

Niedergeschlagenheit bei älteren Menschen

0,66

Der solideste der hier gezeigten Werte, aus 13 Arbeiten.

MerkmalWert in
Einsamkeit bei älteren Menschen1.52
Belastungserleben bei Krebserkrankten1.18
Niedergeschlagenheit bei Krebserkrankten1.05
Niedergeschlagenheit bei älteren Menschen0.66

Standardisierte Mittelwertdifferenzen, Beträge ohne Vorzeichen. Zur Einordnung gilt 0,8 als groß. Die beiden unteren Werte stammen aus Studien mit Krebserkrankten, in denen zusätzlich zur üblichen Pflege gelacht wurde. Quellen: Zhou et al. 2025, Lin et al. 2024.

Die Studie mit dem ehrlichsten Vergleich

Am aufschlussreichsten ist eine ältere Untersuchung aus dem Iran. 70 ältere Frauen mit depressiven Beschwerden wurden auf drei Gruppen verteilt: Lachyoga, ein Gruppen-Sportprogramm und eine Kontrollgruppe ohne Angebot. Sechzig schlossen die Studie ab.

Beide aktiven Gruppen verbesserten sich deutlich gegenüber der Kontrollgruppe. Zwischen Lachyoga und Sportprogramm zeigte sich kein Unterschied. Bei der Lebenszufriedenheit war nur der Vorsprung der Lachyoga-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe statistisch abgesichert. Die Autoren schließen daraus, Lachyoga sei mindestens so wirksam wie ein Gruppen-Sportprogramm.

Ein körperlicher Befund

Interessant ist eine japanische Untersuchung an Menschen mit Typ-2-Diabetes. Nach zwölf Wochen war der Langzeitblutzucker in der Lachyoga-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe verbessert, die Schlafdauer zeigte eine Tendenz nach oben. Bemerkenswert ist ein Nebenbefund: Die Teilnahmequote lag bei knapp 93 Prozent. Bei Bewegungsprogrammen wird selten in die Nähe solcher Werte gekommen.

Wo die Zahlen zu gut aussehen

Effektstärken über 1,0 sollten immer skeptisch machen, und bei Lachyoga tauchen sie mehrfach auf. Vier Gründe sprechen dafür, die Werte niedriger anzusetzen.

Warum die Effektstärken vermutlich überhöht sind
ProblemWarum es die Zahlen beeinflusst
Keine Verblindung möglichNiemand kann übersehen, ob er in einem Lachkurs war. Erwartungseffekte lassen sich nicht herausrechnen.
Meist Warteliste als VergleichWer nichts bekommt, verbessert sich nicht. Der Vergleich mit einem Gruppenangebot fällt deutlich nüchterner aus, wie die Studie mit dem Sportprogramm zeigt.
Ausschließlich SelbstauskunftFragebögen zu Stimmung und Einsamkeit, ausgefüllt von Menschen, die gerade eine angenehme Gruppenstunde hatten.
Kleine StichprobenStudien mit wenigen Dutzend Teilnehmenden erzeugen instabile und tendenziell größere Effektschätzungen.

Was trotzdem übrig bleibt

Auch wenn man die Zahlen halbiert, bleibt ein brauchbarer Effekt für eine Maßnahme ohne Nebenwirkungen und ohne Vorkenntnisse. Und der Vergleich mit dem Sportprogramm ist kein Rückschlag: Gleichwertigkeit mit einem Verfahren, dessen Wirkung auf die Stimmung gut belegt ist, ist ein respektables Ergebnis.

Ausprobieren

Drei Sitzungen in einem Lachclub

30 bis 45 Minuten, dreimal
  1. 1

    In eine Gruppe gehen, nicht zu Hause anfangen

    Der Übergang vom gespielten zum echten Lachen entsteht über die anderen. Allein im Wohnzimmer fühlt sich das nach einer Minute nur noch peinlich an.
  2. 2

    Dreimal hingehen, nicht einmal

    Die erste Sitzung ist für fast alle unangenehm. Beim zweiten Mal fällt der größte Teil der Peinlichkeit weg, beim dritten Mal weißt du, ob es etwas für dich ist.
  3. 3

    Sich nicht zum Mitlachen zwingen wollen

    Anfangs ist es Schauspiel, und das ist beabsichtigt. Wer versucht, ein echtes Gefühl herzustellen, blockiert genau das.
  4. 4

    Auf den Atem achten

    Lachen ist verlängerte Ausatmung. Wer zwischendurch bewusst tief einatmet, vermeidet das Schwindelgefühl, das bei Ungeübten vorkommt.
  5. 5

    Die Schlussphase nicht auslassen

    Die stille Phase am Ende ist der Teil, in dem sich die Anspannung löst. Wer vorher geht, nimmt die Anstrengung mit und die Erholung nicht.

Wenn keine Gruppe erreichbar ist

Der zweitbeste Weg ist eine Videoverbindung mit anderen. Viele Lachclubs bieten das an, und der entscheidende Faktor, nämlich andere Gesichter zu sehen, bleibt erhalten. Aufzeichnungen ohne Gegenüber funktionieren dagegen kaum.

Für wen es taugt

  • Für Menschen, die mit stiller Übung nichts anfangen können. Wer bei Meditation ungeduldig wird, findet hier das Gegenteil.
  • Gegen Einsamkeit. Der größte gemessene Effekt betraf genau diese Größe, und das Gruppenformat ist dafür naheliegend.
  • Wenn Dranbleiben das Problem ist. Eine Teilnahmequote von 93 Prozent über zwölf Wochen ist ein starkes Argument.
  • Nicht als Behandlung. Bei einer diagnostizierten Depression ist es eine Ergänzung, kein Ersatz für Therapie oder Medikation.

Wann professionelle Hilfe nötig ist

Kräftiges anhaltendes Lachen erhöht kurzzeitig den Druck im Bauch- und Brustraum. Nach Operationen im Bauchbereich, bei Leistenbruch, schwerer Herzerkrankung, unkontrolliertem Bluthochdruck, Netzhauterkrankungen, akuten Rückenbeschwerden und in fortgeschrittener Schwangerschaft sollte die Teilnahme vorher ärztlich abgeklärt werden. Bei akuter Depression kann erzwungene Fröhlichkeit als Zumutung erlebt werden. Das ist ein Grund, es sein zu lassen, und kein Zeichen von Unwilligkeit.

Passend dazu

Fazit

Lachyoga verdient es, ernster genommen zu werden, als sein Anblick vermuten lässt. Zehn randomisierte Studien mit 814 Erwachsenen und eine weitere Auswertung mit 984 älteren Menschen finden übereinstimmend Verbesserungen bei Niedergeschlagenheit, Ängstlichkeit und Schlaf.

Die einzelnen Zahlen sind zu groß, um für bare Münze genommen zu werden: keine Verblindung, meist Warteliste als Vergleich, ausschließlich Selbstauskunft, kleine Stichproben. Der ehrlichste Vergleich, der gegen ein Gruppen-Sportprogramm, endet unentschieden.

Genau das ist der springende Punkt. Ein Verfahren, das so wirkt wie Bewegung in der Gruppe, aber von fast allen bis zum Ende durchgehalten wird, ist praktisch mehr wert als eines mit schöneren Zahlen und leerem Kursraum.

Häufige Fragen

Was ist Lachyoga?

Eine Gruppenübung, bei der ohne komischen Anlass gelacht wird. Eine Sitzung besteht aus Klatschrhythmen, Atemübungen aus dem Yoga, spielerischen Lachübungen und einer Ruhephase. Entwickelt wurde die Methode 1995 von einem indischen Arzt, verbreitet ist sie über Lachclubs, die es weltweit gibt.

Warum funktioniert erzwungenes Lachen?

Zwei Gründe werden genannt. Erstens ist die körperliche Aktivität beim Lachen dieselbe, ob echt oder gespielt: Zwerchfellbewegung, verstärkte Ausatmung, Anspannung der Bauchmuskulatur. Zweitens wird das gespielte Lachen in der Gruppe sehr schnell ansteckend und geht in echtes über. Der zweite Grund ist der wichtigere.

Wirkt Lachyoga bei Niedergeschlagenheit?

Eine Metaanalyse von zehn randomisierten Studien mit 814 Teilnehmenden fand deutliche Verringerungen von Niedergeschlagenheit und Ängstlichkeit sowie eine bessere Schlafqualität. Eine Auswertung zu älteren Menschen mit 984 Teilnehmenden fand für Niedergeschlagenheit eine Effektstärke von 0,66 und für Einsamkeit einen noch größeren Wert.

Ist Lachyoga besser als Sport?

Nein. Die aussagekräftigste Vergleichsstudie ließ ältere Frauen mit depressiven Beschwerden entweder Lachyoga oder ein Gruppen-Sportprogramm absolvieren. Beide Gruppen verbesserten sich gegenüber der Kontrollgruppe, zwischen den beiden Programmen gab es keinen Unterschied. Das ist ein gutes Ergebnis für Lachyoga und kein Hinweis auf Überlegenheit.

Gibt es körperliche Effekte?

Eine japanische Studie an Menschen mit Typ-2-Diabetes fand nach zwölf Wochen eine Verbesserung des Langzeitblutzuckers gegenüber der Kontrollgruppe. Die Teilnahmequote lag bei knapp 93 Prozent, was für sich genommen bemerkenswert ist. Die Stichprobe war klein, weitere Studien stehen aus.

Für wen ist Lachyoga nicht geeignet?

Kräftiges anhaltendes Lachen erhöht kurzzeitig den Druck im Bauchraum und im Brustkorb. Nach Operationen im Bauchbereich, bei Leistenbruch, schwerer Herzerkrankung, unkontrolliertem Bluthochdruck, fortgeschrittener Schwangerschaft, Netzhauterkrankungen und akuten Rückenbeschwerden sollte vorher ärztlich abgeklärt werden.

Muss man in eine Gruppe gehen?

Allein funktioniert es deutlich schlechter. Der Übergang vom gespielten zum echten Lachen entsteht fast immer über den Blickkontakt mit anderen. Wer es allein probiert, hat nach einer Minute das Gefühl, sich zum Narren zu machen. In der Gruppe fällt genau das weg.

Quellen

Alle Angaben in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Veröffentlichungen. Die Links führen direkt zur jeweiligen Fundstelle.

  1. 1

    Zhao, J. et al. (2019): A meta-analysis of randomized controlled trials of laughter and humour interventions on depression, anxiety and sleep quality in adults. Journal of Advanced Nursing. Zehn randomisierte Studien mit 814 Teilnehmenden, mit Untergruppenanalyse nach Dauer

  2. 2

    Zhou, Z. et al. (2025): Effects of humor therapy on negative emotions, quality of life and cognitive function in older adults: A systematic review and meta-analysis. Geriatric Nursing. 13 Arbeiten mit 984 Teilnehmenden, mit getrennter Bewertung mehrerer Zielgrößen

  3. 3

    Shahidi, M. et al. (2011): Laughter yoga versus group exercise program in elderly depressed women: a randomized controlled trial. International Journal of Geriatric Psychiatry. Die aussagekräftigste Vergleichsstudie, drei Gruppen mit aktiver Vergleichsbedingung

  4. 4

    Hirosaki, M. et al. (2023): Laughter yoga as an enjoyable therapeutic approach for glycemic control in individuals with type 2 diabetes: A randomized controlled trial. Frontiers in Endocrinology. Zwölf Wochen Lachyoga mit körperlichen Zielgrößen und hoher Teilnahmequote

  5. 5

    Lin, G. et al. (2024): The Efficacy of Laughter Therapy on Psychological Symptoms in People With Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Studies. Psycho-Oncology. Acht Studien mit 543 Erkrankten, mit Bewertung des Verzerrungsrisikos und GRADE-Einordnung