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Übergänge und Transitionen

Über Übergänge wird meist gesprochen, als gäbe es einen typischen Verlauf. Die Daten zeigen mehrere, und sie sind vorhersagbar.

Veröffentlicht am Redaktion Resilienzkurse.de

Ein leeres Treppenhaus in einem Schulgebäude mit Handlauf und Tageslicht von oben
Übergänge sind vorhersehbar, planbar und trotzdem der Punkt, an dem am wenigsten begleitet wird. Bild: KI generiert.

Auf einen Blick

Übergänge sind die einzigen Belastungen im Bildungsweg, deren Zeitpunkt Jahre im Voraus feststeht. Genau das macht sie zur besten Gelegenheit für Vorbeugung, und genau dort passiert am wenigsten.

  • Es gibt nicht einen Übergangsverlauf, sondern vier.
  • Die Zugehörigkeit ist durch bekannte Merkmale vorhersagbar.
  • Sorgen vor dem Wechsel sagten den emotional belasteten Verlauf vorher.
  • Der stärkste Prädiktor ist der Zustand vor dem Übergang.
  • Verbundenheit mit der Schule hing mit beiden Zielgrößen zusammen.

Die vier Verläufe

Eine Längsschnittstudie hat 1.861 junge Menschen über drei Messzeitpunkte begleitet: am Ende der Grundschulzeit, zu Beginn des ersten Jahres an der weiterführenden Schule und an dessen Ende. Erfasst wurden emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität und Probleme mit Gleichaltrigen gleichzeitig.

1.861

begleitete junge Menschen

3

Messzeitpunkte

6

Monate Abstand

4

gefundene Verlaufsgruppen

Die vier Verlaufsgruppen. Quelle: Donaldson, Hawkins, Rice & Moore 2025
VerlaufsgruppeBeschreibung
Durchgehend erhöhtPsychische Probleme über alle drei Zeitpunkte hinweg erhöht
Emotionale Probleme und Probleme mit GleichaltrigenBelastung vor allem in diesen beiden Bereichen
Hyperaktivität und VerhaltensproblemeBelastung vor allem in diesen beiden Bereichen
Durchgehend niedrigPsychische Probleme über alle drei Zeitpunkte hinweg niedrig

Das Modell mit vier Verlaufsgruppen passte am besten zu den Daten. Mittleres Alter zu Beginn 11,2 Jahre, 46,8 Prozent weiblich.

Warum das mehr ist als eine Feinheit

Die verbreitete Vorstellung, der Schulwechsel führe allgemein zu einem Einbruch, wird von diesen Daten nicht gestützt. Es gibt eine Gruppe, die durchgehend niedrige Werte hat, und eine, die durchgehend hohe hat. Die Belastung entsteht also nicht am Übergang, sie wird dort sichtbar.

Wer welchen Verlauf nimmt

Junge Menschen aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status, solche mit sonderpädagogischem Förderbedarf und solche, die zwei oder mehr belastende Lebensereignisse erlebt haben, gehören eher zu Verläufen mit erhöhten psychischen Schwierigkeiten.
Donaldson, Hawkins, Rice & Moore 2025
  • Alle drei Merkmale sind vorher bekannt. Sozioökonomischer Status, Förderbedarf und belastende Lebensereignisse stehen in der Regel schon in der Grundschule fest.
  • Zwei belastende Ereignisse sind die genannte Schwelle. Das entspricht dem Häufungsprinzip, das sich durch die gesamte Risikoforschung zieht.
  • Sorgen vor dem Wechsel sind ein eigener Prädiktor. Wer sich Sorgen machte, gehörte häufiger zu der Gruppe mit erhöhten emotionalen Problemen.
  • Das ist die praktisch wertvollste Zeile. Sorgen lassen sich mit einer einzigen Frage erheben, und zwar vor dem Übergang.

Was die Schule beiträgt

Eine zweite Untersuchung derselben Arbeitsgruppe hat Befragungsdaten von 506 Kindern in Wales aus der Zeit vor und nach dem Übergang verknüpft und zusätzlich eine aus Verwaltungsdaten gebildete Kennzahl für die Bedeutsamkeit der Schule einbezogen.

Ergebnisse nach Bereinigung um die Beschwerden vor dem Übergang. Quelle: Donaldson, Hawkins & Moore 2025
GrößeZusammenhang nach dem Übergang
Psychische Beschwerden vor dem ÜbergangDurchgängig bedeutsam mit den Beschwerden danach verknüpft
Höherer Wohlstand der FamilieBedeutsam mit höherem Wohlbefinden und geringeren Beschwerden verknüpft
Verbundenheit mit der SchuleBedeutsam mit Beschwerden und mit Wohlbefinden verknüpft
Bedeutsamkeit der Schule als objektive KennzahlNur mit dem Wohlbefinden bedeutsam verknüpft, nicht mit den Beschwerden

Der Unterschied zwischen den letzten beiden Zeilen ist aufschlussreich. Das, was Kinder selbst über ihre Verbundenheit mit der Schule berichten, hing mit beiden Zielgrößen zusammen. Die aus Verwaltungsdaten berechnete Kennzahl hing nur mit dem Wohlbefinden zusammen. Für die Beschwerden zählt offenbar das Erleben, nicht die Kennzahl.

Zwei getrennte Zielgrößen

Beschwerden und Wohlbefinden sind in dieser Forschung nicht zwei Enden derselben Skala. Ein Kind kann wenig Beschwerden und wenig Wohlbefinden haben und umgekehrt. Maßnahmen, die das eine verbessern, verbessern das andere nicht automatisch.

Was Vorbereitung leistet

Für den Übergang gibt es ein geprüftes Klassenprogramm mit neun Einheiten, das bereits ein volles Schuljahr vor dem Wechsel beginnt und über drei Schuljahre begleitet wurde.

  • Weniger Übergangssorgen. Die Kinder im Programm berichteten geringere Sorgen als die Vergleichsgruppe.
  • Mehr Vorfreude und mehr Bewältigungszutrauen. Beides wurde eigens erfasst und verbesserte sich.
  • Geringere Beeinträchtigung des Wohlbefindens über die Zeit. Das war die eigentliche Zielgröße.
  • Die Empfehlung ist ein Systemwechsel. Die Autorengruppe hält einen vorbeugenden statt eines nachbessernden Ansatzes für nötig und empfiehlt, ein volles Jahr vor dem Wechsel zu beginnen und über den Wechsel hinaus fortzuführen.
  • Die Grenze des Designs gehört dazu. Es handelt sich um einen quasi-experimentellen Vergleich ohne Zufallszuteilung mit 185, 217 und 162 Kindern in den drei Erhebungsjahren.

Der Zusammenhang zu den Verlaufsdaten ist unmittelbar: Sorgen vor dem Übergang sagten den emotional belasteten Verlauf vorher, und genau diese Sorgen verringerte das Programm.

Der frühe Übergang

Der erste große Übergang ist nicht der Wechsel auf die weiterführende Schule, sondern der Schuleintritt. Eine beteiligungsorientierte systematische Übersicht hat gefragt, wie der Entwicklungsstand beim Schuleintritt mit der Gesundheit im Jugendalter zusammenhängt.

  • Die Übersicht arbeitet mit einer eigenen Bewertungsstufung. Die Belege wurden als stärker, schwächer, uneinheitlich oder begrenzt eingeordnet.
  • Betrachtet wurden zwei Gesundheitsgrößen: das Gewicht und die psychische Gesundheit im Jugendalter.
  • Die Zusammenhänge wurden nach Entwicklungsbereichen getrennt berichtet. Die sozial-emotionale Entwicklung ist einer davon.
  • Der Anlass der Übersicht ist praktisch. Sie hält das Verhältnis von kindlicher Entwicklung und Jugendgesundheit für unzureichend verstanden, was bereichsübergreifende Maßnahmen gegen gesundheitliche Ungleichheit erschwere.

Praktisch

Für Schulen

  • Frag vor dem Übergang nach Sorgen. Sie sagten die Zugehörigkeit zum emotional belasteten Verlauf vorher und sind mit einer Frage zu erheben.
  • Beginn ein Jahr vorher. Das geprüfte Programm setzt ein volles Schuljahr vor dem Wechsel an und führt über ihn hinaus.
  • Die drei Risikomerkmale sind bekannt. Niedriger sozioökonomischer Status, sonderpädagogischer Förderbedarf und zwei oder mehr belastende Lebensereignisse. Alle drei stehen vor dem Übergang fest.
  • Arbeite an der erlebten Verbundenheit. Sie hing mit beiden Zielgrößen zusammen, die aus Verwaltungsdaten gebildete Kennzahl nur mit einer.
  • Behandle Beschwerden und Wohlbefinden getrennt. Sie verhielten sich in den Daten unterschiedlich.

Für Eltern

  • Ein Einbruch ist nicht die Regel. Eine der vier Verlaufsgruppen hatte durchgehend niedrige Werte.
  • Sorgen vorher sind ein ernstzunehmendes Zeichen. Sie sind nicht nur Vorfreude mit umgekehrtem Vorzeichen.
  • Wenn schon vorher Beschwerden bestanden, plant Unterstützung ein. Der Zustand vor dem Übergang war der durchgängigste Prädiktor für den danach.
  • Anschluss finden ist der Hebel. Verbundenheit mit der Schule hing mit weniger Beschwerden und mehr Wohlbefinden zusammen.

Wann professionelle Hilfe nötig ist

Wenn ein Kind nach einem Wechsel über Wochen nicht ankommt, den Schulbesuch meidet oder sich vollständig zurückzieht, gehört das abgeklärt. Anlaufstellen sind Schulsozialarbeit, schulpsychologischer Dienst, Erziehungsberatungsstellen und die Nummer gegen Kummer unter 116 111.

Passend dazu

Fazit

Beim Wechsel auf die weiterführende Schule gibt es nicht einen Verlauf, sondern vier. In einer Längsschnittstudie mit 1.861 jungen Menschen passte ein Modell mit vier Verlaufsgruppen am besten: durchgehend erhöhte Probleme, emotionale Probleme mit Problemen unter Gleichaltrigen, Hyperaktivität mit Verhaltensproblemen und durchgehend niedrige Probleme.

Die Zugehörigkeit ist vorhersagbar. Niedriger sozioökonomischer Status, sonderpädagogischer Förderbedarf und zwei oder mehr belastende Lebensereignisse gingen mit den belasteten Verläufen einher, und wer sich vor dem Wechsel Sorgen machte, gehörte häufiger zur Gruppe mit erhöhten emotionalen Problemen.

Die Schule kann etwas beitragen. In einer zweiten Untersuchung mit 506 Kindern hing die erlebte Verbundenheit mit der Schule sowohl mit den Beschwerden als auch mit dem Wohlbefinden nach dem Übergang zusammen. Und ein neunwöchiges Programm, das ein volles Jahr vor dem Wechsel beginnt, verringerte genau die Sorgen, die den belasteten Verlauf vorhersagen.

Häufige Fragen

Verschlechtert sich die psychische Gesundheit beim Schulwechsel?

Nicht bei allen. Eine Längsschnittstudie mit 1.861 Kindern fand vier Verlaufsgruppen, darunter eine mit durchgehend niedrigen Beschwerden und eine mit durchgehend erhöhten.

Wer landet in den belasteten Verläufen?

Junge Menschen aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status, solche mit sonderpädagogischem Förderbedarf und solche, die zwei oder mehr belastende Lebensereignisse erlebt hatten.

Sagen Sorgen vor dem Wechsel etwas vorher?

Ja. Wer sich vor dem Übergang Sorgen machte, gehörte häufiger zu der Verlaufsgruppe mit erhöhten emotionalen Problemen.

Was ist der stärkste Einzelfaktor?

In einer zweiten Untersuchung mit 506 Kindern waren die psychischen Beschwerden vor dem Übergang durchgängig bedeutsam mit den Beschwerden danach verknüpft.

Kann die Schule etwas beitragen?

Ja. Die Verbundenheit mit der Schule hing bedeutsam mit Beschwerden und Wohlbefinden nach dem Übergang zusammen. Eine objektiv gebildete Kennzahl für die Bedeutsamkeit der Schule hing nur mit dem Wohlbefinden zusammen.

Wann sollte Vorbereitung beginnen?

Ein geprüftes neunwöchiges Klassenprogramm beginnt ein volles Schuljahr vor dem Wechsel. Die Autorengruppe hält einen vorbeugenden statt eines nachbessernden Ansatzes für nötig.

Quellen

Alle Angaben in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Veröffentlichungen. Die Links führen direkt zur jeweiligen Fundstelle.

  1. 1

    Donaldson, C., Hawkins, J., Rice, F. & Moore, G. (2025): Trajectories of mental health across the primary to secondary school transition. JCPP Advances. 1.861 junge Menschen aus Südostengland, drei Messzeitpunkte im Abstand von sechs Monaten, latente Klassen-Wachstumsanalyse

  2. 2

    Donaldson, C., Hawkins, J. & Moore, G. (2025): Individual and School Environment Predictors of Mental Health and Wellbeing Across the Primary-to-Secondary School Transition. School Mental Health. 506 Kinder in Wales, Befragung vor und nach dem Übergang, verknüpft mit einer aus Verwaltungsdaten gebildeten Kennzahl, Mehrebenenmodelle

  3. 3

    Bagnall, C. L., Stevenson, E., Cookson, D., Jones, F. & Garnett, N. J. (2024): A mixed-methods evaluation of a longitudinal primary-secondary school transitions support intervention. Frontiers in Psychology. Quasi-experimentelles Design mit Befragungen in drei aufeinanderfolgenden Schuljahren, 185, 217 und 162 Kinder

  4. 4

    Black, M. et al. (2021): Relationships between Child Development at School Entry and Adolescent Health-A Participatory Systematic Review. International Journal of Environmental Research and Public Health. Beteiligungsorientierte systematische Übersicht über Arbeiten von November 1990 bis November 2020