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Resilienz-Coaching für Paare

Paare, die eine schwierige Phase durchstehen, machen etwas anderes als Paare, die daran zerbrechen. Was genau, ist gut vermessen. Und der Rückgang der Zufriedenheit nach ein paar Jahren ist keine Warnung, sondern der Normalfall.

Veröffentlicht am Redaktion Resilienzkurse.de

Zwei weiße Kaffeetassen stehen nebeneinander auf einem Küchentisch am Fenster, daneben ein leerer Teller und eine aufgeschlagene Zeitung
Die untersuchten Verhaltensweisen finden nicht im Beratungszimmer statt, sondern am Küchentisch. Bild: KI generiert.

Auf einen Blick

Es gibt in diesem Feld einen Befund, der praktisch fast alles verändert: Der beste Vorhersagewert für die Zufriedenheit ist nicht, was du tust, sondern was bei dir ankommt. Daraus folgt eine unbequeme, aber nützliche Konsequenz.

  • Gemeinsames Bewältigen hängt mit r = 0,45 an der Beziehungszufriedenheit.
  • Was du beim anderen wahrnimmst, sagt mehr voraus als deine eigene Anstrengung.
  • Gemeinsames Anpacken und Unterstützung wirken stärker als bloßes Mitteilen.
  • Der Rückgang der Zufriedenheit in den ersten zehn Jahren ist der Normalfall.
  • Bei Gewalt in der Beziehung ist Paarberatung nicht der richtige erste Schritt.

Gemeinsam bewältigen

Der Fachbegriff lautet dyadisches Coping und meint alles, was zwei Menschen gemeinsam tun, wenn einer oder beide unter Druck stehen. Eine Metaanalyse hat 72 unabhängige Stichproben aus 57 Arbeiten mit 17.856 Personen zusammengefasst.

r = 0,45

Zusammenhang mit der Zufriedenheit

17.856

einbezogene Personen

72

unabhängige Stichproben

unabhängig

von Alter, Geschlecht, Land

Ein Wert von 0,45 ist in der Psychologie ein starker Zusammenhang. Zum Vergleich: Die meisten Persönlichkeitsmerkmale hängen mit Lebenszufriedenheit deutlich schwächer zusammen. Und der Befund hielt über Geschlecht, Alter, Beziehungsdauer, Bildungsstand und Nationalität hinweg.

Zusammenhang ist keine Ursache

Diese Zahlen stammen aus Querschnittsdaten. Es ist genauso möglich, dass zufriedene Paare besser gemeinsam bewältigen, wie umgekehrt. Wahrscheinlich stimmt beides und verstärkt sich gegenseitig. Was die Metaanalyse liefert, ist keine Handlungsanweisung, sondern ein sehr genauer Hinweis darauf, wo man hinschauen sollte.

Der überraschende Befund

Die Auswertung hat unterschieden, wessen Verhalten eingeschätzt wurde: das eigene, das des Partners oder das gemeinsame. Die Unterschiede sind der eigentliche Ertrag dieser Arbeit.

Die Wahrnehmung des gemeinsamen Bewältigens durch den Partner und durch beide Partner zusammen sagte die Beziehungszufriedenheit stärker voraus als die Wahrnehmung des eigenen Bewältigens.
Falconier et al. 2015
  • Was du beim anderen siehst, zählt mehr als das, was du selbst beisteuerst. Das ist das Gegenteil dessen, was die meisten Ratgeber nahelegen.
  • Praktisch heißt das: Es genügt nicht, sich Mühe zu geben. Es muss beim anderen ankommen, und zwar erkennbar.
  • Und es heißt: Unterstützung, die niemand bemerkt, ist für die Zufriedenheit weitgehend wertlos, auch wenn sie ehrlich gemeint war.
  • Die praktische Frage lautet deshalb nicht „Was tue ich für uns?“, sondern „Woran merkt der andere, dass ich es tue?“

Welche Formen zählen

Nicht alles, was unter gemeinsames Bewältigen fällt, ist gleich wichtig. Die Auswertung hat die einzelnen Formen verglichen.

Stärkere und schwächere Vorhersagekraft. Quelle: Falconier et al. 2015
Stärkere VorhersagekraftSchwächere Vorhersagekraft
Gemeinsames Anpacken eines ProblemsStress mitteilen
Unterstützendes Verhalten für den anderenAufgaben abnehmen und delegieren
Feindseliges oder ambivalentes Reagieren, hier mit umgekehrtem VorzeichenSchützendes Zurückhalten von Belastendem
Überfürsorgliches Verhalten

Insgesamt sagten die positiven Formen die Zufriedenheit stärker voraus als die negativen.

Zwei Punkte, die dem Alltagsverstand widersprechen

Erstens: Über Stress zu reden ist der schwächere Teil. Das gemeinsame Anpacken schlägt das Besprechen. Zweitens: Den anderen schonen, indem man Belastendes für sich behält, gehört zu den schwächeren Formen. Gut gemeint ist hier messbar nicht dasselbe wie gut.

Der normale Verlauf

Viele Paare suchen Beratung, weil es sich schlechter anfühlt als früher. Bevor man daraus eine Krise macht, lohnt ein Blick auf den statistischen Normalfall. Die dazu größte Auswertung umfasst 165 Stichproben mit 165.039 Personen.

Der typische Verlauf der Beziehungszufriedenheit. Quelle: Bühler et al. 2021
BetrachtungsweiseRückgangTiefpunktDanach
Nach LebensalterVon 20 bis 40 JahrenMit 40 JahrenAnstieg bis 65, danach gleichbleibend
Nach BeziehungsdauerIn den ersten zehn JahrenNach zehn JahrenAnstieg bis Jahr 20, danach erneuter Rückgang
  • Nach Lebensalter: Rückgang von 20 bis 40, Tiefpunkt bei 40, dann Anstieg bis 65, danach gleichbleibend.
  • Nach Beziehungsdauer: Rückgang in den ersten zehn Jahren, Tiefpunkt bei zehn Jahren, Anstieg bis zwanzig Jahre, danach wieder abwärts.
  • Der stärkste Rückgang zeigt sich im jungen Erwachsenenalter und in den ersten Jahren einer Beziehung.
  • Von allen geprüften Merkmalen erklärten nur zwei Unterschiede im Ausgangsniveau: das Vorhandensein von Kindern und das verwendete Messinstrument.

Was daraus folgt

Wenn eine Beziehung sich nach acht Jahren mühsamer anfühlt als am Anfang, ist das der statistische Regelfall und noch keine Diagnose. Das Muster hielt über Geburtsjahrgang, Land, Geschlecht, Familienstand und Wohnsituation hinweg. Es entlastet, das zu wissen, und es ersetzt nichts, wenn tatsächlich etwas nicht stimmt.

Wenn Coaching nicht reicht

Coaching setzt eine funktionierende Grundlage voraus. Wenn zusätzlich eine Erkrankung im Spiel ist, ändert sich das Bild, und es gibt dafür ein gut untersuchtes Verfahren. Eine Metaanalyse hat zwölf Arbeiten mit 19 randomisierten Studien zur verhaltenstherapeutischen Paartherapie bei Substanzstörungen zusammengefasst.

Verhaltenstherapeutische Paartherapie bei Substanzstörungen. Quelle: Song et al. 2023
ZielgrößeDirekt danachNach 12 Monaten
Häufigkeit des Konsumsg = 0,17g = 0,32
Folgeprobleme des Konsumsg = 0,28g = 0,34
Beziehungszufriedenheitg = 0,45g = 0,31

Gegenüber einer Einzelbehandlung war die Paartherapie bei der Konsumhäufigkeit überlegen (g = 0,23).

  • Der größte Effekt betraf die Beziehung selbst, nicht den Konsum. Das ist ehrlich und bemerkenswert zugleich.
  • Nach zwölf Monaten waren die Effekte auf den Konsum größer als direkt nach der Behandlung. Etwas, das im Alltag weiterläuft, entfaltet sich offenbar über die Zeit.
  • Und ein praktisch wichtiger Nullbefund: Die Anzahl der Behandlungssitzungen hing nicht mit der Effektstärke zusammen. Auch nicht das Erscheinungsjahr oder der Frauenanteil.

Mehr Sitzungen sind nicht mehr Wirkung

Dieser Nullbefund ist im Coachingmarkt selten willkommen, denn dort wird der Umfang gerne als Qualitätsmerkmal verkauft. Ein Paket über zwanzig Sitzungen ist nach dieser Datenlage nicht automatisch besser als eines über acht.

Die klare Grenze

Es gibt eine Situation, in der Paarberatung nicht der richtige erste Schritt ist. Eine systematische Übersicht hat dazu 1733 Arbeiten gesichtet und ganze sechs Studien gefunden, die eine Aussage erlauben.

Vorläufige Daten legen nahe, dass Paartherapie in ausgewählten Situationen ein gangbares Vorgehen ist.
Karakurt et al. 2016

Jedes Wort in diesem Satz trägt Gewicht: vorläufig, ausgewählt, gangbar. Die Autorengruppe benennt auch den Grund für die Zurückhaltung der Fachwelt, nämlich das Risiko gewaltsamer Vergeltung zwischen den Partnern nach dem, was in der Sitzung gesagt wurde. Eine allgemein anerkannte Behandlung der Wahl gibt es nicht.

Wann professionelle Hilfe nötig ist

Bei körperlicher Gewalt, bei Angst vor dem Partner oder der Partnerin und bei Kontrolle über Geld, Kontakte oder Bewegungsfreiheit gehört der erste Schritt nicht in eine gemeinsame Sitzung. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist unter 116 016 rund um die Uhr und kostenfrei erreichbar, das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 1239900. In akuter Gefahr gilt der Notruf 110.

Praktisch

Was sich aus den Zahlen ableiten lässt

  • Sichtbar unterstützen statt still. Wenn nur zählt, was ankommt, dann ist unbemerkte Rücksicht verschenkte Mühe. Sag, was du übernommen hast.
  • Gemeinsam anpacken schlägt gemeinsam besprechen. Ein Problem zusammen zu lösen sagte die Zufriedenheit stärker voraus als darüber zu reden.
  • Nicht schonen. Belastendes für sich zu behalten gehörte zu den schwächeren Formen. Es fühlt sich fürsorglich an und ist es der Datenlage nach nicht.
  • Feindseliges Reagieren zuerst abstellen. Es war unter den stärksten Vorhersagegrößen, mit umgekehrtem Vorzeichen. Weniger davon bringt vermutlich mehr als mehr Positives.
  • Den Normalverlauf kennen. Ein Tief nach einigen Jahren ist der Regelfall. Das ist kein Grund zu bleiben, wenn es nicht mehr passt, aber ein Grund, nicht sofort das Schlimmste anzunehmen.

Passend dazu

Fazit

Für Paare unter Belastung gibt es einen einzigen gut vermessenen Wirkfaktor, und das ist das gemeinsame Bewältigen. Über 17.856 Personen hinweg hängt es mit r = 0,45 an der Zufriedenheit, unabhängig von Alter, Geschlecht, Dauer und Herkunft.

Der praktisch wichtigste Befund ist die Blickrichtung: Was beim anderen wahrgenommen wird, sagt mehr voraus als die eigene Anstrengung. Und gemeinsames Anpacken wirkt stärker als gemeinsames Besprechen.

Dazu kommt eine Entlastung: Der Rückgang der Zufriedenheit in den ersten zehn Jahren ist der statistische Normalfall, kein Alarmzeichen. Wo tatsächlich eine Erkrankung im Spiel ist, wirkt Paartherapie, und mehr Sitzungen bringen dabei nicht mehr. Wo Gewalt im Spiel ist, gehört der erste Schritt woandershin.

Häufige Fragen

Was ist dyadisches Coping?

Die Art, wie zwei Menschen gemeinsam mit Belastungen umgehen: wie sie Stress mitteilen, wie sie einander entlasten und wie sie ein Problem zusammen angehen. Es ist der am besten untersuchte Wirkfaktor in Paarbeziehungen unter Belastung.

Wie stark hängt es mit der Zufriedenheit zusammen?

Eine Metaanalyse über 72 Stichproben mit 17.856 Personen fand eine Korrelation von 0,45. Der Zusammenhang bestand unabhängig von Geschlecht, Alter, Beziehungsdauer, Bildung und Herkunftsland.

Was ist der wichtigste praktische Befund?

Nicht die eigene Anstrengung sagt die Zufriedenheit voraus, sondern das, was man beim anderen und im gemeinsamen Handeln wahrnimmt. Was bei dir ankommt, zählt mehr als was du dir vornimmst.

Ist es normal, dass die Zufriedenheit nachlässt?

Ja. Über 165 Stichproben mit 165.039 Personen zeigte sich ein durchgehendes Muster: Rückgang zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, Tiefpunkt bei 40, danach Anstieg bis 65. Nach Beziehungsdauer betrachtet liegt der Tiefpunkt bei etwa zehn Jahren.

Hilft eine Paartherapie, wenn zusätzlich eine Suchterkrankung besteht?

Ja. Verhaltenstherapeutische Paartherapie war in einer Metaanalyse über 19 randomisierte Studien wirksamer als Einzelbehandlung bei der Verringerung des Substanzkonsums, und der größte Effekt zeigte sich bei der Beziehungszufriedenheit.

Bringen mehr Sitzungen mehr?

In derselben Auswertung bestand kein bedeutsamer Zusammenhang zwischen der Anzahl der Sitzungen und der Effektstärke. Ein längeres Programm ist also nicht automatisch ein besseres.

Quellen

Alle Angaben in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Veröffentlichungen. Die Links führen direkt zur jeweiligen Fundstelle.

  1. 1

    Falconier, M. K. et al. (2015): Dyadic coping and relationship satisfaction: A meta-analysis. Clinical Psychology Review. 72 unabhängige Stichproben aus 57 Arbeiten mit insgesamt 17.856 Personen

  2. 2

    Bühler, J. L., Krauss, S. & Orth, U. (2021): Development of relationship satisfaction across the life span: A systematic review and meta-analysis. Psychological Bulletin. 165 unabhängige Stichproben mit 165.039 Teilnehmenden, Beziehungsdauern von drei Monaten bis 46 Jahren

  3. 3

    Song, Y. et al. (2023): The Effect of Behavior Couples Therapy on Alcohol and Drug Use Disorder: a Systematic Review and Meta-Analysis. Alcohol and Alcoholism. Zwölf Arbeiten mit 19 randomisierten kontrollierten Studien

  4. 4

    Karakurt, G. et al. (2016): Couples Therapy for Intimate Partner Violence: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Marital and Family Therapy. 1733 gesichtete Arbeiten, sechs Studien eingeschlossen