
Auf einen Blick
Wer über eine solche Ausbildung nachdenkt, findet online vor allem Werbung. Es gibt aber Forschung zu genau den Fragen, die dabei zählen: ob das Trainingsprodukt wirkt, wie lange, in welchem Format und wie viel an der trainierenden Person hängt.
- Es gibt keine geregelte Ausbildung und keinen geschützten Titel.
- Resilienztraining wirkt, aber im Arbeitsumfeld nur klein und kurz.
- Das train-the-trainer-Format schnitt in der Auswertung am schlechtesten ab.
- Einzelbegleitung war das wirksamste Vermittlungsformat.
- Wer trainiert, macht messbar einen Unterschied. Welches Zertifikat er hat, ist nicht untersucht.
Wie der Markt aussieht
Die Bezeichnung ist frei. Es gibt keine Ausbildungsordnung, keine staatliche Prüfung und keine Kammer. Was es gibt, sind Anbieter mit sehr unterschiedlichem Umfang und entsprechend unterschiedlichen Preisen.
| Umfang | Typischer Aufbau | Preisrahmen |
|---|---|---|
| Wochenendzertifikat | Zwei Tage, meist online, Zertifikat am Ende ohne Prüfung | 300 bis 900 Euro |
| Modulare Ausbildung | Vier bis acht Module über einige Monate, Abschlussarbeit oder Lehrprobe | 2000 bis 5000 Euro |
| Ausbildung mit Zusatzqualifikationen | Verbunden mit Coachingausbildung, Entspannungsverfahren oder Präventionszulassung | Oft über 5000 Euro |
| Hochschulzertifikat | Weiterbildender Kurs an einer Hochschule mit Leistungsnachweisen | Sehr unterschiedlich |
Alle vier dürfen dieselbe Bezeichnung verwenden. Für Teilnehmende ist von außen nicht erkennbar, welche davon jemand absolviert hat.
Wo es Regeln gibt
Nicht die Bezeichnung ist geregelt, aber die Abrechnung. Wer Kurse nach Paragraf 20 des Fünften Sozialgesetzbuches über die Krankenkassen abrechnen will, braucht eine berufliche Grundqualifikation aus einer festgelegten Liste und ein zugelassenes Kurskonzept. Das ist die einzige Stelle, an der eine Hürde existiert.
Wirkt Resilienztraining
Bevor man eine Ausbildung dafür kauft, lohnt die Frage, wie gut das Produkt eigentlich ist. Es gibt zwei maßgebliche Auswertungen, und sie kommen zu unterschiedlichen Zahlen.
0,44
Effekt, Joyce et al. 2018
0,21
Effekt, Vanhove et al. 2016
11
randomisierte Studien in der ersten
42
Stichproben in der zweiten
Der Unterschied erklärt sich zum Teil aus dem Gegenstand. Die erste Auswertung betrachtete Programme, die ausdrücklich Resilienz messen sollten, und fand für Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie, aus der Achtsamkeit und aus Mischungen beider einen mittleren Effekt. Die zweite betrachtete Programme in Organisationen und maß breiter.
Ein Interessenkonflikt gehört dazugesagt
In der Arbeit mit dem höheren Wert legen die Autoren offen, dass zwei von ihnen mit einem Unternehmen verbunden sind, das Resilienztraining anbietet, und zwei für eine Organisation arbeiten, die Resilienztraining an andere Organisationen verkauft. Das macht die Arbeit nicht falsch. Es ist aber der Grund, warum man in diesem Feld immer beide Auswertungen lesen sollte.
Und wie lange hält es
Bis einen Monat danach
0,26
kleiner Effekt
Gesamteffekt
0,21
kleiner Effekt
Mehr als einen Monat danach
0,07
praktisch bedeutungslos
| Merkmal | Wert in |
|---|---|
| Bis einen Monat danach | 0.26 |
| Gesamteffekt | 0.21 |
| Mehr als einen Monat danach | 0.07 |
Effektstärken für Resilienzprogramme im Arbeitsumfeld. Später bedeutet mehr als einen Monat nach Programmende. Quelle: Vanhove et al. 2016.
Ein Wert von 0,07 ist praktisch nichts. Für ein Programm, das Belastbarkeit aufbauen soll, ist das die unangenehmste Zahl im ganzen Feld.
Es gibt eine Ausnahme, und sie ist wichtig
Bei Teilnehmenden, die als besonders stressgefährdet galten und denen Schutzfaktoren fehlten, verlief es umgekehrt: Die schwachen Effekte unmittelbar nach dem Programm wurden im späteren Verlauf stärker. Wer den Kurs braucht, profitiert also dauerhaft. Wer ihn nicht braucht, hat nach einem Monat nichts mehr davon.
Der unangenehme Befund
Dieselbe Auswertung hat verglichen, wie die Programme vermittelt wurden. Für jeden, der eine Ausbildung zum Trainer erwägt, ist das der unbequemste Teil.
| Rang | Format |
|---|---|
| Am wirksamsten | Einzelbegleitung, also Coaching |
| Danach | Gruppenformat im Seminarraum |
| Am wenigsten wirksam | Train-the-trainer-Formate und computerbasierte Formate |
Train-the-trainer bedeutet: Fachleute schulen Multiplikatoren, die das Gelernte anschließend weitergeben. Genau das ist das Geschäftsmodell der meisten Trainerausbildungen.
Das ist kein Argument gegen Weitergabe an sich, sondern ein Hinweis auf Verluste an jeder Übergabestelle. Wer selbst zwei Tage über Resilienz gehört hat und es dann weitergibt, gibt eine Kopie einer Kopie weiter.
- Praktische Folgerung eins: Je näher deine spätere Arbeit an Einzelbegleitung liegt, desto besser sieht die Datenlage aus.
- Praktische Folgerung zwei: Je länger die Kette zwischen dem ursprünglichen Programm und deiner Weitergabe, desto weniger bleibt übrig.
- Praktische Folgerung drei: Eine Ausbildung, die dich zur Multiplikatorin für ein fertiges Programm macht, verkauft dir das Format mit der schlechtesten Bilanz.
Noch ein methodischer Hinweis aus derselben Arbeit
Studien, die nur eine Gruppe vorher und nachher verglichen, fanden deutlich stärkere Effekte als Studien mit einer Vergleichsgruppe. Wenn ein Anbieter mit eigenen Teilnehmerbefragungen wirbt, ist das genau dieser schwächere Studientyp.
Kommt es auf die Person an
Wenn das Format wenig hergibt, bleibt die Frage nach der Person. Dazu gibt es eine große Auswertung aus der Psychotherapieforschung, mit 152 Studien und 827 Effektstärken.
Untersucht wurde, ob der Zusammenhang zwischen Arbeitsbeziehung und Ergebnis davon abhängt, wie viel eine einzelne behandelnde Person zu dieser Beziehung beiträgt. Als Maß diente das Verhältnis von Behandelten zu Behandelnden in einer Studie.
Die Ergebnisse stützten die Bedeutung des Beitrags der behandelnden Personen für den Zusammenhang zwischen Arbeitsbeziehung und Ergebnis, auch wenn mehrere mögliche Störgrößen gleichzeitig berücksichtigt wurden.
Was daraus folgt und was nicht
Es folgt: Die Person macht einen Unterschied. Es folgt nicht: Eine bestimmte Ausbildung macht diesen Unterschied. Untersucht wurden Personen, nicht Zertifikate. Die Frage, welche Ausbildung gute Trainerinnen und Trainer hervorbringt, ist nach der Datenlage offen.
Was Qualifikation leisten kann
Es gibt eine Gegenprobe. Wenn nur die Ausbildung zählte, dürften Menschen ohne Fachausbildung nichts bewirken. Das stimmt so nicht.
Eine Metaanalyse hat 16 randomisierte Studien zu psychologischen Maßnahmen ausgewertet, die von Nichtfachleuten durchgeführt wurden, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Elf davon ließen sich zusammenfassen und zeigten eine Verbesserung des Langzeitblutzuckerwerts gegenüber den Kontrollgruppen.
- Der körperliche Messwert verbesserte sich bedeutsam, wenn auch gering, mit einer gepoolten mittleren Differenz von 0,13 beim HbA1c.
- Die Wirkung auf Diabetesbelastung und Depressivität war über die Studien hinweg nicht einheitlich.
- Die Streuung war hoch, mit einem I² von 71 Prozent.
- Und der entscheidende gemeinsame Nenner: Es handelte sich um strukturierte Maßnahmen mit festem Vorgehen, nicht um freies Beraten.
Das ist die eigentliche Antwort auf die Ausbildungsfrage. Was Menschen ohne Fachausbildung wirksam macht, ist nicht ein Zertifikat, sondern ein festes, geprüftes Vorgehen und eine klare Begrenzung dessen, was sie tun. Eine Ausbildung, die dir beides gibt, ist ihr Geld wert. Eine, die dir vor allem eine Urkunde gibt, nicht.
Praktisch
Fragen an einen Ausbildungsanbieter
- Welches konkrete Programm lerne ich? Ein benanntes, dokumentiertes Curriculum ist besser als ein eigener Ansatz aus dem Erfahrungsschatz der Ausbildungsleitung.
- Werde ich beim Üben beobachtet und bekomme ich Rückmeldung? Lehrprobe mit Auswertung ist das Merkmal, das Ausbildungen mit und ohne Substanz am deutlichsten trennt.
- Was darf ich hinterher ausdrücklich nicht? Wenn eine Ausbildung keine Grenzen zur Heilkunde zieht, ist sie unseriös. Beratung bei Depression oder Angststörung ist ohne Approbation oder Heilpraktikererlaubnis nicht zulässig.
- Gibt es danach Supervision? Für die eigene Arbeit ist ein Blick von außen wichtiger als eine weitere Fortbildung.
- Erfülle ich die Voraussetzungen für Paragraf 20? Wenn du über Krankenkassen abrechnen willst, entscheidet deine berufliche Grundqualifikation, nicht die Trainerausbildung.
Wann professionelle Hilfe nötig ist
Resilienztraining ist Prävention, keine Behandlung. Wenn in deinem Kurs jemand mit einer Depression, einer Angststörung oder nach einer Traumatisierung sitzt, ist die richtige Handlung nicht eine Übung, sondern ein Hinweis auf fachliche Hilfe. Das gilt unabhängig davon, wie viele Wochenenden deine Ausbildung hatte.
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Fazit
Der Titel ist frei, die Ausbildungen sind es auch. Das Produkt, das dabei verkauft wird, wirkt: mittelgroß in der einen Auswertung, klein in der anderen. Im Arbeitsumfeld sank die Wirkung von 0,26 kurz nach dem Programm auf 0,07 einen Monat später.
Der Befund, der eine Trainerausbildung am unmittelbarsten betrifft, lautet: Von allen Vermittlungsformaten schnitt train-the-trainer am schlechtesten ab, Einzelbegleitung am besten. Wer sich also ausbilden lässt, um ein fertiges Programm weiterzugeben, wählt das schwächste Format.
Was tatsächlich trägt, ist ein festes, geprüftes Vorgehen, eine klare Grenze zur Behandlung und die Bereitschaft, sich bei der Arbeit über die Schulter schauen zu lassen. Danach sollte man eine Ausbildung auswählen, nicht nach der Urkunde am Ende.
Häufige Fragen
Ist Resilienz-Trainer eine geschützte Berufsbezeichnung?
Nein. Es gibt keine staatlich geregelte Ausbildung, keine Prüfungsordnung und keine Aufsicht. Jeder darf sich so nennen, unabhängig von Vorbildung.
Wirkt Resilienztraining überhaupt?
Ja, aber unterschiedlich stark, je nachdem wen man fragt. Eine Metaanalyse über elf randomisierte Studien fand einen mittleren Effekt von 0,44. Eine andere über 42 Stichproben aus dem Arbeitsumfeld fand einen kleinen Effekt von 0,21.
Hält die Wirkung an?
Meist nicht. In der Arbeitsplatzauswertung sank der Effekt von 0,26 kurz nach dem Programm auf 0,07 mehr als einen Monat danach. Bei besonders belasteten Teilnehmenden war es umgekehrt.
Welches Vermittlungsformat wirkte am besten?
Die Einzelbegleitung, also Coaching, gefolgt vom klassischen Gruppenformat im Seminarraum. Am schlechtesten schnitten computerbasierte Formate und ausgerechnet das train-the-trainer-Format ab.
Kommt es auf die Person an, die trainiert?
Ja. Eine Metaanalyse über 152 Studien mit 827 Effektstärken zeigte, dass der Beitrag der einzelnen behandelnden Person den Zusammenhang zwischen Arbeitsbeziehung und Ergebnis bedeutsam beeinflusst.
Muss man Psychologin oder Psychologe sein?
Für Training nicht. Es gibt Belege, dass auch Menschen ohne Fachausbildung strukturierte psychologische Maßnahmen wirksam durchführen können. Voraussetzung sind ein festes Vorgehen, Anleitung und klare Grenzen.
Quellen
Alle Angaben in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Veröffentlichungen. Die Links führen direkt zur jeweiligen Fundstelle.
- 1
Vanhove, A. J. et al. (2016): Can resilience be developed at work? A meta-analytic review of resilience-building programme effectiveness. Journal of Occupational and Organizational Psychology. 42 unabhängige Stichproben aus 37 Studien
- 2
Joyce, S. et al. (2018): Road to resilience: a systematic review and meta-analysis of resilience training programmes and interventions. BMJ Open. 17 eingeschlossene Studien, elf randomisierte in der Berechnung. Mehrere Autoren sind mit Anbietern von Resilienztraining verbunden, was in der Arbeit offengelegt ist
- 3
Del Re, A. C. et al. (2021): Examining therapist effects in the alliance-outcome relationship: A multilevel meta-analysis. Journal of Consulting and Clinical Psychology. 152 Studien mit 827 Effektstärken
- 4
Oyedeji, A. D. et al. (2022): Effectiveness of non-specialist delivered psychological interventions on glycemic control and mental health problems in individuals with type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. International Journal of Mental Health Systems. 16 randomisierte Studien, elf davon rechnerisch zusammengefasst