Definition und Geschichte des Begriffs
Der Begriff Coping stammt vom englischen „to cope", mit etwas umgehen, eine Herausforderung meistern. In der Stressforschung bezeichnet er alle kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Anstrengungen einer Person, mit Anforderungen umzugehen, die als die eigenen Ressourcen überschreitend eingeschätzt werden.
Die wissenschaftliche Copingforschung entwickelte sich in den 1960er-Jahren parallel zur Stressforschung. Der entscheidende theoretische Rahmen kam 1984 von Richard Lazarus und Susan Folkman mit ihrem Transaktionalen Stressmodell, dem heute noch einflussreichsten Rahmenmodell.
Klassische Definition (Lazarus & Folkman 1984)
„Coping bezeichnet ständig wechselnde kognitive und verhaltensorientierte Anstrengungen zur Bewältigung spezifischer externer und/oder interner Anforderungen, die als die Ressourcen der Person beanspruchend oder übersteigend eingeschätzt werden."
Das transaktionale Stressmodell (Lazarus)
Lazarus und Folkman revolutionierten das Stressverständnis: Stress ist kein objektives Merkmal einer Situation, sondern das Ergebnis einer kognitiven Bewertung. Ob eine Situation als stressreich erlebt wird, hängt davon ab, wie die Person sie einschätzt.
Primäre Bewertung
Ist diese Situation für mich relevant? Ist sie eine Bedrohung, ein Schaden/Verlust oder eine Herausforderung?
Sekundäre Bewertung
Was kann ich tun? Welche Ressourcen und Optionen stehen mir zur Verfügung? Bin ich der Situation gewachsen?
Coping-Reaktion
Problemorientiertes oder emotionsorientiertes Coping, je nachdem, was die Bewertung als passend erscheinen lässt.
Transaktional, nicht linear
Lazarus betonte: Stressbewertung und Coping sind kein einmaliger Prozess, sondern eine fortlaufende Transaktion zwischen Person und Umwelt. Mit jeder Copinghandlung ändert sich die Situation, und damit auch die Bewertung. Das Modell ist dynamisch und zirkulär.
Schritt 1
Primäre Bewertung
Ist das für mich relevant? Bedrohung, Schaden oder Herausforderung?
Schritt 2
Sekundäre Bewertung
Was kann ich tun? Welche Mittel stehen mir zur Verfügung?
Schritt 3
Coping-Reaktion
Problem-, emotions- oder bedeutungsorientiertes Vorgehen
Der Kern des Modells liegt zwischen den ersten beiden Schritten: Stress entsteht nicht aus der Anforderung allein, sondern aus dem Verhältnis von Anforderung und verfügbaren Mitteln.
Arten des Copings
| Copingart | Fokus | Beispiele | Günstig wenn |
|---|---|---|---|
| Problemorientiert | Stressor verändern | Informationen suchen, Planen, Handeln, um Hilfe bitten | Situation ist kontrollierbar / veränderbar |
| Emotionsorientiert | Reaktion regulieren | Kognitive Neubewertung, Akzeptanz, emotionaler Ausdruck, soziale Unterstützung | Situation ist nicht veränderbar |
| Bedeutungsorientiert | Sinn finden | Positive Neubewertung, spirituelle Ressourcen, Wachstumsfokus | Langfristige/existenzielle Belastungen (Park 2005) |
| Proaktives Coping | Prophylaxe | Ressourcen aufbauen bevor Stressor auftritt; präventive Planung | Vorhersehbare Herausforderungen (Aspinwall 1997) |
| Vermeidungscoping | Belastung meiden | Ablenkung, Verdrängung, sozialer Rückzug | Kurzfristig bei unveränderlicher Situation; maladaptiv als Dauerstrategie |
Copingressourcen & Schutzfaktoren
Schlüsselressourcen für erfolgreiches Coping
Selbstwirksamkeit
Glaube an eigene Handlungsfähigkeit (Bandura)
Soziale Unterstützung
Emotionaler & instrumenteller Support durch andere
Kognitive Flexibilität
Perspektivwechsel und Neubewertung möglich
Körperliche Gesundheit
Schlaf, Ernährung, Bewegung als Copingpuffer
Interne Ressourcen
- Selbstwirksamkeitserwartung (Bandura 1977)
- Kohärenzgefühl (Antonovsky 1987)
- Hardiness, die drei Cs (Kobasa 1979)
- Emotionale Intelligenz und Regulationsfähigkeit
- Problemlöse- und Planungskompetenz
Externe Ressourcen
- Soziale Unterstützung (emotionaler, instrumenteller Support)
- Verfügbarkeit professioneller Hilfe
- Finanzielle Sicherheit und materielle Ressourcen
- Stabile und unterstützende Arbeitsumgebung
- Zugang zu Erholungsräumen und Natur
Adaptives vs. maladaptives Coping
Adaptives Coping
Kurzfristige Erleichterung und langfristige Gesundheit/Funktionsfähigkeit bleiben erhalten oder verbessern sich.
- Kognitive Neubewertung der Situation
- Aktive Problemlösung und Planung
- Suche nach sozialer Unterstützung
- Akzeptanz bei unveränderlichen Situationen
- Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion
- Gesunde Bewegung und Erholung
Maladaptives Coping
Kurzfristige Erleichterung, aber langfristige Kosten für Gesundheit, Beziehungen oder Leistungsfähigkeit.
- ✗Substanzkonsum (Alkohol, Medikamente)
- ✗Chronische Verdrängung und Vermeidung
- ✗Soziale Isolation und Rückzug
- ✗Rumination (grübelndes Wiederkäuen)
- ✗Selbstschädigendes Verhalten
- ✗Übermäßige Prokrastination
Kein Coping ist immer adaptiv
Lazarus betonte: Die Adaptivität von Coping hängt vom Kontext ab. Temporäre Ablenkung oder sogar kurzzeitige Verdrängung können adaptiv sein (z. B. unmittelbar nach einem Trauma). Erst als Dauerstrategie wird Vermeidungscoping problematisch.
Häufige Fragen
Was bedeutet Coping auf Deutsch?
Was ist der Unterschied zwischen problem- und emotionsorientiertem Coping?
Was sind Copingressourcen?
Wann ist Coping maladaptiv?
Quellen & Literatur
Lazarus, R. S. & Folkman, S. (1984)
Stress, Appraisal, and Coping
Springer
Carver, C. S. & Connor-Smith, J. (2010)
Personality and coping
Annual Review of Psychology, 61, 679–704
Aspinwall, L. G. & Taylor, S. E. (1997)
A stitch in time: Self-regulation and proactive coping
Psychological Bulletin, 121(3), 417–436
Park, C. L. (2005)
Religion as a meaning-making framework in coping with life stress
Journal of Social Issues, 61(4), 707–729
Aldwin, C. M. (2007)
Stress, Coping, and Development (2nd ed.)
Guilford Press
Compas, B. E. et al. (2017)
Coping, emotion regulation, and psychopathology in childhood and adolescence
Psychological Bulletin, 143(9), 939–991