Coping & Stressmanagement

Was ist Coping?

Veröffentlicht am Aktualisiert am Redaktion Resilienzkurse.de

Coping bezeichnet alle Strategien und Bemühungen, mit belastenden Situationen umzugehen. Erfahren Sie, wie das Lazarus-Modell Stressbewältigung erklärt, welche Formen von Coping es gibt und was adaptives von maladaptivem Coping unterscheidet.

Definition und Geschichte des Begriffs

Der Begriff Coping stammt vom englischen „to cope", mit etwas umgehen, eine Herausforderung meistern. In der Stressforschung bezeichnet er alle kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Anstrengungen einer Person, mit Anforderungen umzugehen, die als die eigenen Ressourcen überschreitend eingeschätzt werden.

Die wissenschaftliche Copingforschung entwickelte sich in den 1960er-Jahren parallel zur Stressforschung. Der entscheidende theoretische Rahmen kam 1984 von Richard Lazarus und Susan Folkman mit ihrem Transaktionalen Stressmodell, dem heute noch einflussreichsten Rahmenmodell.

Klassische Definition (Lazarus & Folkman 1984)

„Coping bezeichnet ständig wechselnde kognitive und verhaltensorientierte Anstrengungen zur Bewältigung spezifischer externer und/oder interner Anforderungen, die als die Ressourcen der Person beanspruchend oder übersteigend eingeschätzt werden."

Das transaktionale Stressmodell (Lazarus)

Lazarus und Folkman revolutionierten das Stressverständnis: Stress ist kein objektives Merkmal einer Situation, sondern das Ergebnis einer kognitiven Bewertung. Ob eine Situation als stressreich erlebt wird, hängt davon ab, wie die Person sie einschätzt.

1

Primäre Bewertung

Ist diese Situation für mich relevant? Ist sie eine Bedrohung, ein Schaden/Verlust oder eine Herausforderung?

2

Sekundäre Bewertung

Was kann ich tun? Welche Ressourcen und Optionen stehen mir zur Verfügung? Bin ich der Situation gewachsen?

3

Coping-Reaktion

Problemorientiertes oder emotionsorientiertes Coping, je nachdem, was die Bewertung als passend erscheinen lässt.

Transaktional, nicht linear

Lazarus betonte: Stressbewertung und Coping sind kein einmaliger Prozess, sondern eine fortlaufende Transaktion zwischen Person und Umwelt. Mit jeder Copinghandlung ändert sich die Situation, und damit auch die Bewertung. Das Modell ist dynamisch und zirkulär.

Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus
  1. Schritt 1

    Primäre Bewertung

    Ist das für mich relevant? Bedrohung, Schaden oder Herausforderung?

  2. Schritt 2

    Sekundäre Bewertung

    Was kann ich tun? Welche Mittel stehen mir zur Verfügung?

  3. Schritt 3

    Coping-Reaktion

    Problem-, emotions- oder bedeutungsorientiertes Vorgehen

Der Kern des Modells liegt zwischen den ersten beiden Schritten: Stress entsteht nicht aus der Anforderung allein, sondern aus dem Verhältnis von Anforderung und verfügbaren Mitteln.

Arten des Copings

CopingartFokusBeispieleGünstig wenn
ProblemorientiertStressor verändernInformationen suchen, Planen, Handeln, um Hilfe bittenSituation ist kontrollierbar / veränderbar
EmotionsorientiertReaktion regulierenKognitive Neubewertung, Akzeptanz, emotionaler Ausdruck, soziale UnterstützungSituation ist nicht veränderbar
BedeutungsorientiertSinn findenPositive Neubewertung, spirituelle Ressourcen, WachstumsfokusLangfristige/existenzielle Belastungen (Park 2005)
Proaktives CopingProphylaxeRessourcen aufbauen bevor Stressor auftritt; präventive PlanungVorhersehbare Herausforderungen (Aspinwall 1997)
VermeidungscopingBelastung meidenAblenkung, Verdrängung, sozialer RückzugKurzfristig bei unveränderlicher Situation; maladaptiv als Dauerstrategie

Copingressourcen & Schutzfaktoren

Schlüsselressourcen für erfolgreiches Coping

🧠

Selbstwirksamkeit

Glaube an eigene Handlungsfähigkeit (Bandura)

🤝

Soziale Unterstützung

Emotionaler & instrumenteller Support durch andere

🔄

Kognitive Flexibilität

Perspektivwechsel und Neubewertung möglich

❤️

Körperliche Gesundheit

Schlaf, Ernährung, Bewegung als Copingpuffer

Interne Ressourcen

  • Selbstwirksamkeitserwartung (Bandura 1977)
  • Kohärenzgefühl (Antonovsky 1987)
  • Hardiness, die drei Cs (Kobasa 1979)
  • Emotionale Intelligenz und Regulationsfähigkeit
  • Problemlöse- und Planungskompetenz

Externe Ressourcen

  • Soziale Unterstützung (emotionaler, instrumenteller Support)
  • Verfügbarkeit professioneller Hilfe
  • Finanzielle Sicherheit und materielle Ressourcen
  • Stabile und unterstützende Arbeitsumgebung
  • Zugang zu Erholungsräumen und Natur

Adaptives vs. maladaptives Coping

Adaptives Coping

Kurzfristige Erleichterung und langfristige Gesundheit/Funktionsfähigkeit bleiben erhalten oder verbessern sich.

  • Kognitive Neubewertung der Situation
  • Aktive Problemlösung und Planung
  • Suche nach sozialer Unterstützung
  • Akzeptanz bei unveränderlichen Situationen
  • Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion
  • Gesunde Bewegung und Erholung

Maladaptives Coping

Kurzfristige Erleichterung, aber langfristige Kosten für Gesundheit, Beziehungen oder Leistungsfähigkeit.

  • Substanzkonsum (Alkohol, Medikamente)
  • Chronische Verdrängung und Vermeidung
  • Soziale Isolation und Rückzug
  • Rumination (grübelndes Wiederkäuen)
  • Selbstschädigendes Verhalten
  • Übermäßige Prokrastination

Kein Coping ist immer adaptiv

Lazarus betonte: Die Adaptivität von Coping hängt vom Kontext ab. Temporäre Ablenkung oder sogar kurzzeitige Verdrängung können adaptiv sein (z. B. unmittelbar nach einem Trauma). Erst als Dauerstrategie wird Vermeidungscoping problematisch.

Häufige Fragen

Was bedeutet Coping auf Deutsch?
Coping (vom englischen "to cope", mit etwas umgehen, bewältigen) bezeichnet alle kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Bemühungen, mit als belastend eingeschätzten Anforderungen umzugehen. Die deutsche Übersetzung lautet Stressbewältigung oder Belastungsverarbeitung.
Was ist der Unterschied zwischen problem- und emotionsorientiertem Coping?
Problemorientiertes Coping zielt auf die Veränderung der stresserzeugenden Situation (Informationen sammeln, planen, handeln). Emotionsorientiertes Coping zielt auf die Regulierung der emotionalen Reaktion (Neubewertung, Akzeptanz, soziale Unterstützung). Lazarus & Folkman (1984) beschrieben beide als gleichwertig, die Wahl hängt von der Kontrollierbarkeit des Stressors ab.
Was sind Copingressourcen?
Copingressourcen sind persönliche und soziale Faktoren, die Coping erleichtern. Dazu gehören Selbstwirksamkeit, soziale Unterstützung, kognitive Flexibilität, Problemlösefähigkeiten, finanzielle Ressourcen und körperliche Gesundheit.
Wann ist Coping maladaptiv?
Coping ist maladaptiv, wenn es kurzfristig Erleichterung bringt, aber langfristig Gesundheit, Beziehungen oder Funktionsfähigkeit schädigt. Beispiele: Substanzkonsum, Verdrängung traumatischer Inhalte, soziale Isolation, Prokrastination als Dauerstrategie.

Quellen & Literatur

Lazarus, R. S. & Folkman, S. (1984)

Stress, Appraisal, and Coping

Springer

Carver, C. S. & Connor-Smith, J. (2010)

Personality and coping

Annual Review of Psychology, 61, 679–704

Aspinwall, L. G. & Taylor, S. E. (1997)

A stitch in time: Self-regulation and proactive coping

Psychological Bulletin, 121(3), 417–436

Park, C. L. (2005)

Religion as a meaning-making framework in coping with life stress

Journal of Social Issues, 61(4), 707–729

Aldwin, C. M. (2007)

Stress, Coping, and Development (2nd ed.)

Guilford Press

Compas, B. E. et al. (2017)

Coping, emotion regulation, and psychopathology in childhood and adolescence

Psychological Bulletin, 143(9), 939–991