Resilienz-Kritik
Krisenkapitalismus und Anpassungszwang
Ist Resilienz immer positiv? Kritische Stimmen hinterfragen, ob der Resilienz-Diskurs gesellschaftliche Probleme individualisiert und Anpassungszwang legitimiert – eine wichtige Debatte für eine reflexive Praxis.
Individualisierung gesellschaftlicher Probleme
Eine der zentralen Kritiken am Resilienz-Diskurs lautet: Wenn Resilienz zur individuellen Pflicht wird, werden strukturelle Ursachen von Stress und Belastung unsichtbar. Armut, Diskriminierung, prekäre Arbeitsverhältnisse – all das wird zur persönlichen Bewältigungsaufgabe erklärt. Die Forderung nach Resilienz kann so dazu beitragen, soziale Ungerechtigkeiten zu naturalisieren.
Resilienz im Kontext des Krisenkapitalismus
Kritiker wie Isabell Lorey und Mark Neocleous argumentieren, dass Resilienz-Diskurse im Krisenkapitalismus funktional sind: Sie bereiten Individuen darauf vor, mit Unsicherheit, Flexibilität und Prekarität umzugehen – statt diese Bedingungen grundlegend zu verändern. Resilienz wird so zur Tugend, die das Bestehende stabilisiert statt zu hinterfragen.
Anpassungszwang und seine Grenzen
Das Ideal der resilienten Persönlichkeit setzt implizit Normen: Wer nicht resilient genug ist, gilt als schwach oder defizitär. Dieser Anpassungszwang kann psychischen Druck erhöhen statt mindern. Kritische Perspektiven fordern, dass Unterstützung nicht von Anpassungsleistungen abhängig gemacht wird und dass strukturelle Entlastung ebenso wichtig ist wie individuelle Stärkung.
Für eine kritisch-reflexive Resilienzdidaktik
Resilienzförderung muss nicht unkritisch sein. Eine reflexive Perspektive verbindet individuelle Stärkung mit gesellschaftlicher Analyse: Sie fragt, welche Umstände Menschen belasten, wer von Krisen besonders betroffen ist und wie soziale Strukturen verändert werden können. Resilienz als kollektive, politische Praxis – nicht nur als persönliches Projekt.