Was ist Business Continuity Management (BCM)?
Business Continuity Management (BCM) ist ein Managementprozess, der sicherstellt, dass kritische Geschäftsprozesse bei Störungen aufrechterhalten oder schnell wiederhergestellt werden können. Im Zentrum steht die Begrenzung von Auswirkungen auf prioritäre Aktivitäten.
Typische BCM-Instrumente
- Business Impact Analysis (BIA)
- Notfall- und Wiederanlaufpläne
- Redundante IT-Systeme und Backups
- Ausweichstandorte und -prozesse
- Krisenteam und Kommunikationspläne
- Regelmäßige Tests und Übungen (Simulationen)
BCM-Standards
- ISO 22301: BCM-Standard der ISO (zertifizierbar)
- BS 25999: Britischer BCM-Standard (Vorläufer der ISO 22301)
- BCI Good Practice Guidelines: Rahmen des Business Continuity Institute
- NIST SP 800-34: US-amerikanischer Standard für IT-Kontinuität
BCM ist nach seiner Natur reaktiv und prozessorientiert: Es definiert vorab, was bei bekannten Störungen zu tun ist. Die Qualität von BCM hängt damit stark von der Qualität der Szenarien ab, für die geplant wurde.
Organisationale Resilienz: Der weitere Rahmen
Das Business Continuity Institute (BCI) definiert organisationale Resilienz als eine Qualität von Organisationen, die nicht nur plötzlichen Schocks widersteht, sondern hilft, sich an Wandlungen anzupassen. Resilienz ist strategisch, zukunftsorientiert und stark kulturgetrieben – sie lebt vom Mindset der Mitarbeitenden, der Innovationskraft und der Fehlerkultur.
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BCM
Schild, schützt vor bekannten Bedrohungen
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Organisationale Resilienz
Ökosystem, wächst und entwickelt sich durch Herausforderungen
Der direkte Vergleich
| Fokus | Business Continuity Management | Organisationale Resilienz |
|---|---|---|
| Ziel | Status Quo bewahren, Ausfälle minimieren | Anpassen, lernen, stärker aus der Krise hervorgehen |
| Zeithorizont | Akute Krise und direkte Wiederherstellung | Langfristige strategische Ausrichtung |
| Methode | Checklisten, IT-Sicherheit, Backup-Systeme | Kulturentwicklung, Führung, Agilität |
| Haltung | Defensiv (Schadensbegrenzung) | Proaktiv (Chancen in der Störung erkennen) |
| Fokus | Bekannte Risikoszenarien | Unbekannte und neuartige Herausforderungen |
| Standard | ISO 22301 (zertifizierbar) | ISO 22316 (Leitlinie) |
BCM
Das Schild. Schützt vor bekannten, im Voraus beschriebenen Bedrohungen
Organisationale Resilienz
Das Ökosystem. Entwickelt sich durch Herausforderungen weiter
Zwei Aufgaben, nicht zwei Meinungen
Die beiden schließen sich nicht aus. BCM ist die Voraussetzung, Resilienz das, was darüber hinausgeht: Ohne Notfallpläne fehlt die Basis, mit ihnen allein fehlt die Antwort auf das Unvorhergesehene.
Warum Checklisten allein nicht reichen
Checklisten zur Krisenbewältigung sind eine notwendige, aber nicht hinreichende Strategie. Das Abarbeiten von Notfallplänen funktioniert für bekannte Szenarien – aber die gefährlichsten Krisen sind jene, die niemand antizipiert hat.
BCM-Lücke 1: Unbekannte Szenarien
COVID-19, Cyberangriffe neuer Art, Reputationskrisen durch Social Media: Viele der verheerendsten Krisen waren nicht in Notfallhandbüchern antizipiert. BCM schützt vor dem Bekannten.
BCM-Lücke 2: Fehlendes Kultursubstrat
Wenn die Unternehmenskultur Fehler bestraft, Hierarchie über Expertise stellt und Lernbereitschaft fehlt, bricht auch das beste BCM unter echtem Druck zusammen.
BCM-Lücke 3: Fehlende Agilität
BCM optimiert für bestimmte Szenarien. Echte Resilienz erfordert die Fähigkeit, in Echtzeit anders zu agieren, auch wenn der Notfallplan nicht passt.
BCM + Resilienz: Das Haus-Modell
Die richtige Metapher ist nicht BCM oder Resilienz, sondern BCM als Fundamentder organisationalen Resilienz.
Organisationale Resilienz
Kultur · Strategie · Führung · Agilität · Innovation
Business Continuity Management
Notfallpläne · IT-Redundanz · Wiederanlaufprozesse
BCM liefert die operative Kontinuität, es stellt sicher, dass das Unternehmen überlebt.
Organisationale Resilienz liefert die strategische Anpassungsfähigkeit, es stellt sicher, dass das Unternehmen wächst.
Zusammen ermöglichen sie: Krisen überleben UND daran wachsen.
Häufige Fragen zu BCM und Resilienz
Was ist Business Continuity Management (BCM)?
Was ist der Unterschied zwischen BCM und organisationaler Resilienz?
Warum reichen Notfallpläne (BCM) allein nicht aus?
Ist BCM Teil der organisationalen Resilienz?
Quellen & Weiterführende Literatur
Business Continuity Institute (BCI). Good Practice Guidelines. thebci.org
ISO (2019). ISO 22301:2019 Security and Resilience, Business Continuity Management Systems, Requirements. Geneva: ISO.
ISO (2017). ISO 22316:2017 Security and Resilience, Organizational Resilience, Principles and Attributes. Geneva: ISO.
Herbane, B. (2010). The evolution of business continuity management: A historical review of practices and drivers. Business History, 52(6), 978–1002.
Linnenluecke, M. K. (2017). Resilience in Business and Management Research: A Review of Influential Publications and a Research Agenda. International Journal of Management Reviews, 19(1), 4–30.