Warum evaluierte Programme wichtig sind
Der Markt für Präventionsprogramme ist unübersichtlich. Gut gemeinte Angebote ohne wissenschaftliche Fundierung können Zeit und Ressourcen binden, und manchmal sogar unerwünschte Effekte haben. Die BZgA und das Institut für Qualität im Gesundheitswesen führen Datenbanken evaluierter Programme; für Kitas und Schulen gibt es inzwischen eine Handvoll Programme mit solider Evidenzbasis.
Was „evaluiert" bedeutet
Evaluierte Programme haben ihre Wirksamkeit in randomisierten Kontrollstudien oder quasi-experimentellen Designs nachgewiesen. Wichtig: Wirksamkeit unter Studienbedingungen bedeutet nicht automatisch Wirksamkeit in der Praxis, die Implementierungsqualität entscheidet mit.
Die Programme im Überblick
PRiK
Programm zur Förderung sozio-emotionaler Kompetenzen
Fokus
Emotionserkennung, Problemlösung, Impulskontrolle
Elternebene
Elternabende als integraler Bestandteil
Evidenz
Drei RCT-Studien mit signifikanten Effekten auf sozio-emotionale Kompetenz
Besonders
Besonders geeignet bei heterogenen Gruppen, berücksichtigt unterschiedliche Ausgangslagen.
Papilio
Programm für 4–7-jährige Kinder zur Prävention von Sucht und Gewalt
Fokus
Soziale Kompetenz, Gefühlswelt, Sucht- und Gewaltprävention
Elternebene
Elterntraining als separate Komponente verfügbar
Evidenz
Signifikante Reduktion von Verhaltensauffälligkeiten; Effekte halten 2 Jahre nach Intervention
Besonders
Kombiniert Resilienzförderung mit universeller Prävention, kein Stigma-Risiko.
Kinder Stärken!
Stärkenbasiertes Resilienzprogramm für Grundschulkinder
Fokus
Stärkenidentifikation, Selbstwirksamkeit, Problemlösekompetenz
Elternebene
Elternbriefe, optional Elternabende
Evidenz
Kontrollierte Studie mit positiven Effekten auf Selbstwirksamkeit und Wohlbefinden
Besonders
Starker Stärkenblick, anknüpfend an Seligmans VIA-Klassifikation der Charakterstärken.
MindMatters
Schule als gesundheitsförderndes Setting
Fokus
Psychische Gesundheit, Stressbewältigung, Gemeinschaft
Elternebene
Elterneinbindung über Schulentwicklungsprozesse
Evidenz
Australische Längsschnittstudien; in Deutschland adaptiert und pilotiert
Besonders
Schul-Setting-Ansatz, zielt auf institutionelle Transformation, nicht einzelne Kinder.
Evaluation
Gibt es veröffentlichte Wirksamkeitsstudien?
Manual
Ist die Durchführung strukturiert beschrieben?
Qualifikation
Gibt es Schulungsangebote und Schulungspflichten?
Altersbezug
Ist das Programm auf die Zielgruppe abgestimmt?
Eltern
Werden die Eltern eingebunden?
Qualitätsmerkmale
Die erste Frage ist die wichtigste und wird am seltensten gestellt. Ein Programm ohne veröffentlichte Wirksamkeitsstudie ist nicht automatisch schlecht, aber es ist eine Wette.
Implementierung: Warum Programme scheitern
Studien zeigen: Die Wirksamkeit eines Programms unter Forschungsbedingungen ist oft deutlich höher als unter Praxisbedingungen. Der Hauptgrund: Implementierungsqualität. Programme brauchen mehr als Materialien, sie brauchen Trägerschaft, Zeit und Qualifikation.
Häufige Implementierungsfehler
- ✗ Programm wird ohne Schulung eingeführt
- ✗ Leitung trägt das Programm nicht mit
- ✗ Einzel-Mitarbeiterin übernimmt ohne Teamverankerung
- ✗ Elternebene wird ignoriert
- ✗ Kein Reflexionsraum im Team vorgesehen
Gelingensbedingungen
- Schulung aller Durchführenden
- Leitungscommitment von Anfang an
- Teamweite Verankerung, nicht Einzelperson
- Elternarbeit als integraler Teil
- Regelmäßige Reflexion und Supervision
Qualitätsmerkmale: Wie man gute Programme erkennt
Checkliste: Programm-Auswahl
Wissenschaftliche Evaluation
Gibt es publizierte Wirksamkeitsstudien?
Manualbasierung
Ist die Durchführung strukturiert beschrieben?
Qualifikation
Gibt es Schulungsangebote und -pflichten?
Altersangemessenheit
Ist das Programm auf die Zielgruppe abgestimmt?
Elterneinbindung
Wird die Elternebene berücksichtigt?
Alltagsintegration
Ist Förderung in den Alltag integrierbar?
Ressourcenorientierung
Baut das Programm auf Stärken statt Defiziten auf?
Nachhaltigkeit
Gibt es Follow-up-Erhebungen zur Langzeitwirkung?
Häufige Fragen
Was unterscheidet evaluierte Programme von nicht-evaluierten?▼
Für welche Altersgruppe ist PRiK geeignet?▼
Was macht das Papilio-Programm besonders?▼
Was sind die wichtigsten Qualitätsmerkmale eines Präventionsprogramms?▼
Quellen & Literatur
Mayer, H. & Fuhr, A. (2016)
PRiK, Programm zur Förderung sozio-emotionaler Kompetenzen
Reinhardt
Scheithauer, H. et al. (2008)
Papilio, Ein Programm für Kindergärten zur Primärprävention
Hogrefe
Bengel, J. & Lyssenko, L. (2012)
Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter
BZgA
Greenberg, M. T. (2010)
School-based prevention: Current status and future challenges
Effective Education, 2(1)
Fixsen, D. L. et al. (2005)
Implementation Research: A Synthesis of the Literature
University of South Florida
WHO (2004)
Prevention of Mental Disorders: Effective Interventions
World Health Organization