Kinder & Jugendliche

Bewährte Präventionsprogramme

Veröffentlicht am Aktualisiert am Redaktion Resilienzkurse.de

PRiK, Papilio, Kinder Stärken!, die wichtigsten evaluierten Programme für Kitas und Schulen im Überblick: Was sie können, für wen sie geeignet sind und wie Implementierung gelingt.

Warum evaluierte Programme wichtig sind

Der Markt für Präventionsprogramme ist unübersichtlich. Gut gemeinte Angebote ohne wissenschaftliche Fundierung können Zeit und Ressourcen binden, und manchmal sogar unerwünschte Effekte haben. Die BZgA und das Institut für Qualität im Gesundheitswesen führen Datenbanken evaluierter Programme; für Kitas und Schulen gibt es inzwischen eine Handvoll Programme mit solider Evidenzbasis.

Was „evaluiert" bedeutet

Evaluierte Programme haben ihre Wirksamkeit in randomisierten Kontrollstudien oder quasi-experimentellen Designs nachgewiesen. Wichtig: Wirksamkeit unter Studienbedingungen bedeutet nicht automatisch Wirksamkeit in der Praxis, die Implementierungsqualität entscheidet mit.

Die Programme im Überblick

PRiK

Programm zur Förderung sozio-emotionaler Kompetenzen

4–8 JahreKita / Grundschule15–20 Einheiten

Fokus

Emotionserkennung, Problemlösung, Impulskontrolle

Elternebene

Elternabende als integraler Bestandteil

Evidenz

Drei RCT-Studien mit signifikanten Effekten auf sozio-emotionale Kompetenz

Besonders

Besonders geeignet bei heterogenen Gruppen, berücksichtigt unterschiedliche Ausgangslagen.

Papilio

Programm für 4–7-jährige Kinder zur Prävention von Sucht und Gewalt

4–7 JahreKitaAlltagsintegriert über ein Jahr

Fokus

Soziale Kompetenz, Gefühlswelt, Sucht- und Gewaltprävention

Elternebene

Elterntraining als separate Komponente verfügbar

Evidenz

Signifikante Reduktion von Verhaltensauffälligkeiten; Effekte halten 2 Jahre nach Intervention

Besonders

Kombiniert Resilienzförderung mit universeller Prävention, kein Stigma-Risiko.

Kinder Stärken!

Stärkenbasiertes Resilienzprogramm für Grundschulkinder

6–12 JahreGrundschule20 Einheiten à 45 min

Fokus

Stärkenidentifikation, Selbstwirksamkeit, Problemlösekompetenz

Elternebene

Elternbriefe, optional Elternabende

Evidenz

Kontrollierte Studie mit positiven Effekten auf Selbstwirksamkeit und Wohlbefinden

Besonders

Starker Stärkenblick, anknüpfend an Seligmans VIA-Klassifikation der Charakterstärken.

MindMatters

Schule als gesundheitsförderndes Setting

10–18 JahreWeiterführende SchuleSystemisches Entwicklungsprogramm

Fokus

Psychische Gesundheit, Stressbewältigung, Gemeinschaft

Elternebene

Elterneinbindung über Schulentwicklungsprozesse

Evidenz

Australische Längsschnittstudien; in Deutschland adaptiert und pilotiert

Besonders

Schul-Setting-Ansatz, zielt auf institutionelle Transformation, nicht einzelne Kinder.

Fünf Prüffragen vor der Programmauswahl
1

Evaluation

Gibt es veröffentlichte Wirksamkeitsstudien?

2

Manual

Ist die Durchführung strukturiert beschrieben?

3

Qualifikation

Gibt es Schulungsangebote und Schulungspflichten?

4

Altersbezug

Ist das Programm auf die Zielgruppe abgestimmt?

5

Eltern

Werden die Eltern eingebunden?

Qualitätsmerkmale

Die erste Frage ist die wichtigste und wird am seltensten gestellt. Ein Programm ohne veröffentlichte Wirksamkeitsstudie ist nicht automatisch schlecht, aber es ist eine Wette.

Implementierung: Warum Programme scheitern

Studien zeigen: Die Wirksamkeit eines Programms unter Forschungsbedingungen ist oft deutlich höher als unter Praxisbedingungen. Der Hauptgrund: Implementierungsqualität. Programme brauchen mehr als Materialien, sie brauchen Trägerschaft, Zeit und Qualifikation.

Häufige Implementierungsfehler

  • Programm wird ohne Schulung eingeführt
  • Leitung trägt das Programm nicht mit
  • Einzel-Mitarbeiterin übernimmt ohne Teamverankerung
  • Elternebene wird ignoriert
  • Kein Reflexionsraum im Team vorgesehen

Gelingensbedingungen

  • Schulung aller Durchführenden
  • Leitungscommitment von Anfang an
  • Teamweite Verankerung, nicht Einzelperson
  • Elternarbeit als integraler Teil
  • Regelmäßige Reflexion und Supervision

Qualitätsmerkmale: Wie man gute Programme erkennt

Checkliste: Programm-Auswahl

Wissenschaftliche Evaluation

Gibt es publizierte Wirksamkeitsstudien?

Manualbasierung

Ist die Durchführung strukturiert beschrieben?

Qualifikation

Gibt es Schulungsangebote und -pflichten?

Altersangemessenheit

Ist das Programm auf die Zielgruppe abgestimmt?

Elterneinbindung

Wird die Elternebene berücksichtigt?

Alltagsintegration

Ist Förderung in den Alltag integrierbar?

Ressourcenorientierung

Baut das Programm auf Stärken statt Defiziten auf?

Nachhaltigkeit

Gibt es Follow-up-Erhebungen zur Langzeitwirkung?

Häufige Fragen

Was unterscheidet evaluierte Programme von nicht-evaluierten?
Evaluierte Programme haben ihre Wirksamkeit in kontrollierten Studien nachgewiesen. Bei begrenzten Ressourcen sollten Einrichtungen evaluierten Programmen den Vorzug geben.
Für welche Altersgruppe ist PRiK geeignet?
PRiK richtet sich an Kinder im Vorschul- und frühen Grundschulalter (4–8 Jahre). Es beinhaltet Elternarbeit als wesentlichen Baustein.
Was macht das Papilio-Programm besonders?
Papilio kombiniert Sucht- und Gewaltprävention mit Resilienzförderung für 4–7-jährige Kinder. Studien zeigen signifikante Reduktionen von Verhaltensauffälligkeiten.
Was sind die wichtigsten Qualitätsmerkmale eines Präventionsprogramms?
Evidenzbasierung, Manualbasierung, Qualifizierung der Durchführenden, Einbindung der Elternebene und Nachhaltigkeit durch Integration in den Alltag.

Quellen & Literatur

Mayer, H. & Fuhr, A. (2016)

PRiK, Programm zur Förderung sozio-emotionaler Kompetenzen

Reinhardt

Scheithauer, H. et al. (2008)

Papilio, Ein Programm für Kindergärten zur Primärprävention

Hogrefe

Bengel, J. & Lyssenko, L. (2012)

Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter

BZgA

Greenberg, M. T. (2010)

School-based prevention: Current status and future challenges

Effective Education, 2(1)

Fixsen, D. L. et al. (2005)

Implementation Research: A Synthesis of the Literature

University of South Florida

WHO (2004)

Prevention of Mental Disorders: Effective Interventions

World Health Organization